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Coronavirus: Ausbreitung des Virus

Welche Länder/Regionen sind von Erkrankungen mit dem neuartigen Coronavirus betroffen?
Aktuelle Fallzahlen - nach Bundesländern und Landkreisen aufgeschlüsselt - stellt das Robert Koch-Institut (RKI) grafisch in einem sogenannten COVID-19-Dashboard dar. Beides wird täglich aktualisiert.


Was bedeutet die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus für Deutschland?

Es ist offen, wie viele Menschen sich insgesamt in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren werden. Schätzungen gehen von bis zu 70 % der Bevölkerung aus, es ist allerdings unklar, über welchen Zeitraum dies geschehen wird. Grundlage dieser Schätzungen ist die sogenannte Reproduktionszahl von COVID-19. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, beträgt sie 2 bis 3. Das bedeutet, dass eine ansteckende Person zwei bis drei weitere Personen ansteckt. Durch Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise die aktuellen Kontaktbeschränkungen, kann die Reproduktionszahl verringert werden. Eine Reproduktionszahl von unter 1 würde bedeuten, dass die Zahl der Neuerkrankungen zurückgeht. Nach derzeitigen Erkenntnissen verläuft nur ein kleiner Teil der Erkrankungen schwer. Dennoch: Wenn sich die Erkrankung ungebremst ausbreitet, könnte dies zu einer erheblichen Krankheitslast in Deutschland führen.


Was versteht man unter der Reproduktionszahl, und wie wichtig ist sie für die Bewertung der Situation?
Die Reproduktionszahl beschreibt, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Sie allein kann nicht als Maß für Wirksamkeit und Notwendigkeit von Maßnahmen herangezogen werden. Wichtig sind außerdem u.a. die Anzahl der täglichen Neuinfektionen sowie die Schwere der Erkrankungen. Die Zahl der Neuinfektionen muss klein genug sein, damit es möglich ist, Kontaktpersonen effektiv nachzuverfolgen, und damit die Kapazitäten von Intensivbetten nicht überlastet werden.
Am Anfang einer Pandemie gibt es einen Startwert (Basisreproduktionszahl), der beschreibt, wie viele andere Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt. Dabei geht man davon aus, dass sich die gesamte Bevölkerung mit dem Virus anstecken kann, weil bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand immun ist, kein Impfstoff verfügbar ist und keine Infektionsschutzmaßnahmen getroffen wurden.
Bei dem neuartigen Coronavirus liegt die Basisreproduktionszahl zwischen 2,4 und 3,3. Das heißt, dass jede infizierte Person im Mittel etwas mehr als zwei bis etwas mehr als drei Personen ansteckt. Ohne Gegenmaßnahmen würde die Zahl der Infektionen rasch exponentiell ansteigen und erst stoppen, wenn bis zu 70 % der Bevölkerung eine Infektion bzw. Erkrankung durchgemacht haben, also immun sind und das Virus ihrerseits nicht mehr weiterverbreiten können.
Durch Infektionsschutzmaßnahmen lässt sich die Reproduktionszahl verringern. Man spricht von einer zeitabhängigen Reproduktionszahl.

Es gilt:
• Wenn die Reproduktionszahl > 1, dann steigt die Anzahl täglicher Neuinfektionen.
• Wenn die Reproduktionszahl = 1, dann bleibt die Anzahl täglicher Neuinfektionen konstant.
• Wenn die Reproduktionszahl < 1, dann sinkt die Anzahl täglicher Neuinfektionen.
Bei dem neuartigen Coronavirus ist das Ziel, die Reproduktionszahl stabil bei unter 1 zu halten.
Die Reproduktionszahl lässt sich anhand der dem RKI übermittelten Daten zu den bestätigten Erkrankungsfällen bestimmen.


Wenn die Reproduktionszahl bereits am 22. März unter 1 lag, warum brauchte man dann noch Kontaktbeschränkungen?
Die Reproduktionszahl kann nicht alleine als Maß für Wirksamkeit und Notwendigkeit von Maßnahmen herangezogen werden. Wichtig sind außerdem die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen sowie die Schwere der Erkrankungen. Die Zahl der Neuinfektionen muss klein genug sein, damit es möglich ist, Kontaktpersonen effektiv nachzuverfolgen, und damit die Kapazitäten von Intensivbetten nicht überlastet werden.
Die Tatsache, dass die Reproduktionszahl seit Anfang März unter der Basisreproduktionszahl liegt, ist eine Konsequenz der Maßnahmen, die zur Eindämmung des Virus getroffen wurden (z. B. Absage großer Veranstaltungen, Einführung der bundesweiten Kontaktbeschränkungen vom 23. März). Die verschiedenen Maßnahmen ergänzen und verstärken sich gegenseitig.
Die Maßnahmen vor dem 23. März führten zu einem Rückgang der Reproduktionszahl. Die Einführung der Kontaktbeschränkungen führte dazu, dass die Reproduktionszahl auf einem Niveau unter 1 bzw. nahe 1 gehalten werden konnte.
Die Tatsache, dass die Anzahl der Neuerkrankungen nach dem 23. März zunächst stagniert und nicht weiter sinkt, ist u. a. dadurch zu erklären, dass sich die Kontaktbeschränkungen nur auf Kontakte außerhalb geschlossener Settings (z. B. Haushalte oder Altenheime) beziehen. Das heißt, dass auch nach dem 23. März innerhalb dieser Settings noch Übertragungen stattgefunden haben. Es ist davon auszugehen, dass die Reproduktionszahl ohne die Kontaktbeschränkungen wieder angestiegen wäre und sich der Basisreproduktionszahl angenähert hätte. Genau hier setzen die bundesweiten Kontaktbeschränkungen an: Durch die Kontaktreduktion im öffentlichen Raum wird die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Settings entfernt, sodass die einzelnen Geschehen in sich beschränkt bleiben.
Es ist weiterhin von keiner nennenswerten Immunität in der Bevölkerung auszugehen. Eine unkontrollierte Lockerung der Maßnahmen und eine Rückkehr zu Verhaltensweisen vor der Pandemie würde zu einem erneuten Anstieg von Erkrankungen und einer Annäherung der Reproduktionszahl an die Basisreproduktionszahl führen.


Was ist bei Reisen zu beachten?
Die Bundesregierung warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen innerhalb und außerhalb Deutschlands.
Bei unaufschiebbaren Reisen sind die Informationen für Reisende zu beachten.
Gesundheitsempfehlungen bei Auslandsreisen werden vom Auswärtigen Amt gegeben. Dieses hat eine weltweite Reisewarnung für alle nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Robert Koch-Institut geben hier keine Empfehlungen und bieten keine reisemedizinische Beratung an.
Rückreisende haben sich derzeit auf Grundlage landesrechtlicher Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes auf direktem Weg und für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise in Quarantäne (in ihre eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft) zu begeben. Dort haben sie sich ständig aufzuhalten. Außerdem sind sie verpflichtet, unverzüglich das zuständige  Gesundheitsamt zu kontaktieren und auf ihre Einreise hinzuweisen.


Was ist über die Ursache dieses Ausbruchs bekannt?
Man nimmt an, dass das neuartige Coronavirus von Fledermäusen stammt. Ob andere Tierarten als Zwischenwirte des Virus zwischen Fledermaus und Mensch dienen, ist noch nicht bekannt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass sich die ersten Erkrankten Anfang Dezember 2019 auf einem Markt in Wuhan in der Provinz Hubei, China, angesteckt haben. Das neuartige Coronavirus erhielt den offiziellen Namen “SARS-CoV-2“, die Atemwegserkrankung, die es auslöst, wird als “COVID-19” bezeichnet.